Unter diesem Titel hielt der berühmte Psychologe Philip Zimbardo einen Vortrag. Zimbardo wurde 1971 bekannt durch das «Stanford Prison Experiment», welches auch in dem deutschen Film «das Experiment» aufgegriffen wurde. Seitdem forscht er, welche systematischen Bedingungen zu Gewalt oder eben auch Heldentum führen. Diese gut 20-minütigen Präsentation stellt eine sehr klare und prägnante Zusammenfassung seiner Forschung dar. Eine Lektion mit viel, manchmal bedrückendem Erkenntnisgewinn.

Es ist so viel einfacher, bei Straf- und anderen Übeltätern die Gründe für ihr Tun in den Personen selbst zu suchen und zu finden. Auf einzelne Personen kann man zeigen, sich von ihnen distanzieren, sie wegsperren und verantwortlich machen. Es ist so viel schwieriger zu akzeptieren, dass je nach System wir alle zu unglaublichen Grausamkeiten fähig wären und immer auch Teil des Systems sind, wenn Schlimmes in der Umgebung passiert.
Diese Erkenntnisse sind nicht nur für das Verständnis vieler Alltags- und Weltgeschehnisse nötig und hilfreich, sondern auch für die Präventionsarbeit. Gerade bei der aktuellen Thematik des Cybermobbing beispielsweise ist es für die Präventionsarbeit von grossem Nutzen, wenn die Bedingungen, unter denen Mobbing stattfindet, beleuchtet werden. Natürlich müssen Täter zur Rechenschaft gezogen und muss Opfern geholfen werden. Bekannt ist aber auch, dass die schweigende Mehrheit die Machenschaften erst möglich machen und oft begünstigen. Eine Kultur des Wegschauens und eine Kultur, die gegenseitigem Verachten, Beschimpfen, lächerlich machen und bloss stellen gar noch Nährboden liefert, wird durch die Privatsender hergestellt (Stichwort «Bohlen») und ist nicht nur bei Jugendlichen Alltagskultur.
Die Aussagen des sehr sehenswerten Beitrags von Zimbardo sollen und müssen auch in die Präventionsarbeit einfliessen: Wie schaffen wir eine Kultur des Hinschauens, des Eingreifens, des sich Kümmerns? Wie vergrössern wir die Wahrscheinlichkeit, dass die kleinen und grösseren Helden und Heldinnen in uns zum Vorschein kommen? Das Thema der Zivilcourage wird aktuell von vielen Organisationen aufgegriffen und das ist gut so. Auch die Schweizerische Kriminalprävention schaut da nicht weg und leistet einen kleinen Beitrag in der Kultur des Hinschauens. Informieren Sie sich zum Beispiel zum Thema Cybermobbing unter: www.safersurfing.ch/cybermobbing

Aber nehmen Sie sich Zeit für den folgenden Beitrag von Zimbardo, es lohnt sich!

Ein Tipp: Wer sich im Englischen nicht ganz sattelfest fühlt, kann bei dem Videovortrag deutsche Untertitel einstellen.

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